Jugend

 

 

 

 

 

 

 

 

Paul Klee_Senecio (Baldgreis) 1922

 

Jugend

Noch lockt die Welt mich mit den bunten Dingen,

Die strahlen, wenn sie am Ermatten sind.

Ich bin der Welt ein überstarkes Kind

Und keine Lüge will mir ganz gelingen.

 

Noch treffen sich des Werdens fremde Quellen,

Da draußen, wo Begrenzung Meister ist,

Wo Formeln gelten, die i h r nicht mehr wißt,

Wo Kreise Rätsel sind, endlos, wie Wellen.

 

Mala Laaser – Jugend, 39. Jahrgang, 1934, Nr. 13

 

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Wenn eine eine Reise tut

Still ist es hier geworden. Aber das wird hoffentlich nicht so bleiben. Jetzt geht es erst mal in den Urlaub und nach wie vor gilt das, was ich seinerzeit bei Petra von Philea’s Blog zu ihrer tollen Reihe „Bücherkoffer“ geschrieben habe über das unbequeme Sitzen im Urlaub. Nichtsdestotrotz habe ich eine Reihe von Büchern eingepackt. Weil die Hoffnung zuletzt stirbt. Und eine leidenschaftliche Leserin nichts vom Lesen abhalten kann. Diesmal geht es literarisch nach Brüssel, quer durch Dunkeldeutschland, nach Irland, nach Chicago, nach Tokio und nach Florida. Achja, auch noch nach Ostfriesland – weil da eben die Reise hingeht.

Bücherkoffer Nr. 22 von Perlengazelle

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Werdet wieder kindergroß

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Willy Jaeckel_Im Granatfeuer 1914

 

Mensch zu Mensch

Menschen, Menschen alle, streckt die Hände
Über Meere, Wälder in die Welt zur Einigkeit!
Daß sich Herz zu Herzen sende:
Neue Zeit!

Starke Rührung soll aus Euren Aufenthalten
Flutgleich wellen um den Erdeball,
Mensch-zu-Menschen-Liebe glühe, froh verhalten,
Überall!

Was gilt Westen, Süden, Nähe, Weitsein,
Wenn Euch Eine weltentkreiste Seele millionenfältigt!
Euer Mutter-Erde-Blut strömend Ich- und Zeitsein
Überwältigt!

Menschen! Alle Ihr aus einem Grunde,
Alle, Alle aus dem Ewig-Erde-Schoß,
Reißt euch fort aus Geldkampf, Krieg, der Steinstadt-Runde:
Werdet wieder kindergroß!

Menschen! Alle! drängt zur Herzbereitschaft!
Drängt zur Krönung Euer und der Erde!
Einiggroße Menschheitsfreunde, Welt- und Gottgemeinschaft
Werde!

Gerrit Engelke (1890 – 1918) _Aus: Rhythmus des neuen Europa

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Blätternde Tage

Edvard Munch_ Kopf an Kopf 1905

 

Jetzt sind die gelben Blätter gezählt

Jetzt sind die gelben Blätter gezählt
Am Ahorn, an Birken und Buchen.
Die Sonne ist hinter Nebel gestellt
Und läßt sich tagelang suchen.

Vielleicht sind auch mal die Tage gezählt,
Die mir zum Küssen gegeben,
Weil Tag um Tag vom Jahr abfällt
Und Jahr um Jahr vom Leben.

Max Dauthendey 1910

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Kühlere Tage

Jan Mankes_Woudsterweg in Avondschemering 1914

Der Anfang kühlerer Tage

Im Fenster wächst uns klein der Herbst entgegen,
man ist von Fluß und Sternen überschwemmt,
was eben Decke war und Licht, wird Regen
und fällt ins uns verzückt und ungehemmt.

Der Mond wird hochgeschwemmt. Im weißen Stiere
und in den Fischen kehrt er ein.
Uns überkommen Wald und Gras und Tiere,
vergeßne Wege münden in uns ein.

Uns trifft die Flut. Wir sind uns so entschwunden,
daß alles fraglich wird und voll Gefahr.
Wo strömt es hin? Wenn uns das Boot gefunden,
was war dann Wirklichkeit, was Wind, was Haar?

Günter Eich 1930

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Darßer Impressionen 2

Hier ist es wundervoll. Kein Telephon, keine Verpflichtung, absolute Ruhe. Ich kann es gar nicht mehr begreifen, wie man es in der großen Stadt aushält. Das Wetter ist nun auch wundervoll. Ich liege am Gestade wie ein Krokodil, lasse mich von der Sonne braten, sehe nie eine Zeitung und pfeife auf die sogenannte Welt. Albert Einstein

 

Oh, ja doch.Sie rufen hier anders, die Möwen. Sie rufen irgendwie kindlicher, naiver und posaunen stolz die Namen der Künstler, die für sie tonangebend sind. Man muss nur genau hinhören … Peter Wawerzinek

 

Das Fischland ist das schönste Land in der Welt. … Wer ganz oben auf dem Fischland gestanden hat, kennt die Farbe des Boddens und die Farbe des Meeres, beide jeden Tag sich nicht gleich und untereinander nicht. Der Wind springt das Hohe Ufer an und streift beständig über das Land. Der Wind bringt den Geruch des Meeres überallhin. Da habe ich die Sonne vor mir untergehen sehen, oft. Jahrestage_ Uwe Johnson

 

Gestalten mit verkrüppelten Gelenken, nur in den Wurzeln regt sich noch ein Wille. Johannes R. Becher

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Darßer Impressionen 1

WINDFLÜCHTER

Bäume im Darß (Ahrenshoop)

Sie haben einen Grund noch, einen festen,

Und dennoch hält der Grund sie allzu fest.

Sie flüchten vor dem Wind mit allen Ästen

Und halten fest, hinauf bis zum Geäst.

Die Äste splittern in den Windgewittern,

Und aus der Tiefe schöpft der Wind das Meer.

Er schleudert Wogenberge, grau und schwer,

Daß auch die Stämme in den Wurzeln zittern.

Gestalten mit verkrüppelten Gelenken,

Nur in den Wurzeln regt sich noch ein Wille.

Das Meer, der Wind, die Wolken – eine Wucht,

Die Bäume scheinen sich noch zu verrenken,

Wenn Meer und Himmel atmen wieder Stille.

Sie sind noch in der Stille auf der Flucht.

Johannes R. Becher

 

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