Verbranntes Holz und Angst um Mitternacht

At What Dark Point

Every morning I see him

sitting in speckled shade

of blossom laden araliya tree

which I planted many years ago

in my garden, and it branches now

have spread in our lane.

Under my tree in a shadow of silence

he sit, and with log skeletal hands

sorts of strands from a tangle of juten fibres

and twisting, twisting makes a rope

that grows. And grows. Each day.

Every morning I pass him. He sits

in the golden – haze brightness under

my tree. Sits

on the edge of his silence twisting

his lengthening rope and

watching

me.

And seeing him sit day after day,

sinister, silent, twisting his rope

to a future purpose of evilness

I sense the charred-wood smell again

Stained glass exploding in the flames

( a firework of fractured glass

against the black November sky)

the streets deserted, all doors shut

at twelve o’ clock at night, and running with animal fear

between high houses shuttered tight

the jackboot ringing hard and clear

while stalking with the lust for blood.

I can still hear

the ironed heel – its echoing thud-

and still can taste the cold-winter-taste

of charred-wood-midnight-fear

knowing

that nothing is impossible

that nothing is impossible

that anything is possible

that there is no safety

in words or houses

that boundaries are theoretical

and love is relative

to the choice before you.

I know that anything is impossible

anytime. There is no safety

in poems or music or even in

Philosophy. No safety

in houses or temples

of any faith.

And no one knows

at what dark point the time will come again

blood and knives, terror and pain

of jackboots ant twisted strand of rope

And the impress of a child’s small hand

paroxysmic mark on an oven wall

scratched death mark on an oven wall

Anne Ranasinghe

 

„Ich verlor im Holocaust die ganze Familie meines Vaters, einen Teil der Familie meiner Mutter, die meisten der Kinder, mit denen ich zur Schule ging, und die meisten Freunde der Familie – unseren gesamten sozialen und Familienkreis.“

Foto-Anne-Ranasinghe

Anneliese Katz (2. von links) bei einer Theateraufführung in Essen 1936 in der Rolle der Königin Esther.

Anne Ranasinghe stammt aus Essen: Sie wurde am 2. Oktober 1925 als Anneliese Katz geboren und war das einzige Kind von Emil und Anna Amalie Katz. Schon als Kind schrieb sie Gedichte und Theaterstücke. 1936 führte sie ihr erstes Stück – über Königin Esther – mit anderen Kindern im Jüdischen Jugendheim in Essen auf. Anneliese war dreizehn, als in der Nacht auf den 10. November 1938 die Synagoge in Brand gesteckt, die elterliche Wohnung verwüstet, ihr Vater verhaftet wurde. Um sie zu retten, schickten ihre Eltern sie mit einem Kindertransport nach England.

Anneliese sah ihren Vater nie wieder, nachdem er sie an der deutsch-niederländischen Grenze am 26. Januar 1939 in den Zug gesetzt hatte. Ihre letzte Erinnerung an ihre Mutter zeigt sie, wie sie an der Haustür ihrer Wohnung stand und ihr einziges Kind gehen lassen musste. Sie durfte nur einen Koffer und zehn Mark mitnehmen.  „Ich nahm meine Kleider mit und ein paar Lieblingsbücher, die ich noch besaß. Ich hätte gern meine Puppe mitgenommen. Ich war 13 und spielte noch gerne, aber ich hatte keinen Platz dafür. Ich besaß ein bisschen Schmuck, aber der wurde mir an der Grenze weggenommen.“

Annelieses Eltern wurden in das Ghetto von Lodz verschleppt und  von dort zweieinhalb Jahre später nach Chelmno und vergast. Die Nazis töteten über 400 000 Männer, Frauen und Kinder in Chelmno, einem polnischen Dorf, durch Motorabgase, die in die Lastwagen geleitet wurden.

Anne ließ sich zur Krankenschwester ausbilden und schloss eine journalistische Ausbildung an. 1949 heiratete sie einen sri-lankischen Medizin-Professor und ging mit ihm nach Sri Lanka. Seit den 70er-Jahren schreibt sie Gedichte und Prosa sowie Features und Hörspiele auf Englisch, die in viele Sprachen übersetzt wurden, auch ins Deutsche. 2007 erhielt sie die höchste literarische Ehrung Sri Lankas als Sahityaratne (Edelstein der Literatur). Viele ihrer Werke kreisen um das Leiden der Juden in der NS-Zeit, erinnern an das Leben in Essen und gedenken ihrer ermordeten Familie. Daneben war sie von 1975 bis 1990 für Amnesty International South Asia mit Sitz in Colombo tätig.

Die Erinnerung bleibt stets gegenwärtig: „Ich höre immer noch die eisernen Absätze, ihr widerhallendes Stampfen / Schmecke immer noch den winterlich kalten Geschmack, / Verbranntes Holz und Angst um Mitternacht.“

Und: „Es hatte Jahre gebraucht, bis ich wieder deutsch lesen konnte und Lust auf Übersetzungen verspürte. Immerhin war es die Sprache meiner Familie – und ihrer Mörder.“

Bis Anfang der 1980er Jahre war in Sri Lanka kaum etwas über den Holocaust bekannt. Die Europäische Krieg hatte hier kaum berührt – es gab lediglich ein paar Luftangriffe und die Angst vor Invasion durch die Japaner. Und es war der Umschlagplatz für Truppen der alliierten Streitkräfte, die im Fernen Osten kämpften.
„Aber im Jahr 1983 hatten wir unseren eigenen Holocaust in Sri Lanka, und das veränderte viele Dinge. 1983 ist ein Meilenstein, ein Wendepunkt. Der Status quo ante ist nie wieder neu hergestellt worden, und mein Schreiben erreichte plötzlich eine Art Relevanz im neuen Kontext. Offensichtlich gab es Parallelen zwischen den Exzessen vor vierzig Jahren in Europa und was hier geschieht: Menschen wurden aufmerksam und nahmen das zur Kenntnis.“

Als in Ceylon der Bürgerkrieg tobte, schrieb sie im Gedicht „Juli 1983“: „Vierzig Jahre später/ brennt wieder/ der Nachthimmel blutig, gewalttätig und missbraucht“. Eine, die selbst die „Night of the Broken Glasses“ erlebt und gesehen hat, wie Freunde und Verwandte für immer verschwinden, weiß, was es bedeutet, einer exponierten Minderheit anzugehören. Sie weiß auch, dass „gegen die Mörder die Erinnerung unser einziger Schutz ist“.

Ihre charakteristische leise Ironie zeigt sich in einem kurzen Gedicht, das sie anlässlich eines singhalesischen Neujahrsfest in Colombo geschrieben hat. Die Dichterin beobachtet die Ankunft von einem Metzgerwagen und das rasche Entladen von Tierkörpern, hauptsächlich Ziegen, für den Fleischmarkt.

„The men worked fast and
Very precisely, and though I averted my eyes
From the fixed stare of those skinless bodies
Their voiceless bleating
Pierced the mind, which remembered
Other lorries and other bodies on meathooks –
Not under a tropical sun, but
In the knife-sharp cold of a cemented cellar. A
Silly comparison, I told myself, pull yourself together
And wish the butcher a Happy New Year.“

Anne Ranasinghe schreibt nicht nur über den Holocaust, aber alles, was sie schreibt, hat seinen Ursprung in der Erkenntnis

„Dass alles möglich ist
Jederzeit. Es gibt keine Sicherheit
In Gedichten oder Musik oder auch in
Philosophie. Keine Sicherheit
In Häusern oder Tempeln
Irgendeines Glaubens.

Anne Ranasinghe war seit 1983 mehrmals in Essen. Die Alte Synagoge hält bis heute regelmäßig Kontakt zu Holocaust-Überlebenden aus Essen. Bis 2004 wurden Gruppenbesuche organisiert. Viele waren an Schulen zu Gast und gaben dort als Zeitzeugen Geschichtsstunden.

Die Stadt hat die Veröffentlichung einer Sammlung ihrer Gedichte zur Schoah finanziert – „Verbranntes Holz und Angst um Mitternacht“. Der WDR drehte den Film „Heimsuchung“ über sie. Heute reist die 89-Jährige nicht mehr, aber sie hält Kontakt zur Alten Synagoge.

http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerkrieg_in_Sri_Lanka

https://www.maroverlag.de/book.php?PHPSESSID=adb91e4de137544fcde9488e62748e8f&id=65

Anne RasingheVerbranntes Holz und Angst um Mitternacht – nur noch antiquarisch

 

 

 

 

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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