Krimizeit – Wenn der Paketbote klingelt

Ihr Lieben, die Tage werden kürzer, die Abende länger und die perlengazelle sticht der Hafer. Häkeln ist nicht so ihr Ding. Bei Tee und Nussecken versucht sie sich an einem Krimi. Und Versuch macht ja bekanntlich kluch. Wenn ihr versteht, was ich meine. 😉

Here we go:

 

Wenn der Paketbote klingelt

Die meisten Leute denken, dass ein Paketbote ziemlich weit unten in der Rangfolge der big winners steht. Genauer gesagt, eigentlich schon eher im Minusbereich, so drei Meter unter der Grasnarbe. Kriegt nichts auf die Reihe, Loser, dumm geboren und nichts dazu gelernt. Meine Süße dachte ähnlich. Gut, am Anfang war große Liebe, sie könne ohne mich nicht leben, Herz und Schmerz und Schmalz. Ist auch wirklich voll auf ihre Kosten gekommen. Ging ab wie eine Rakete, wenn Sie verstehen, was ich meine.

Doch nach kürzester Zeit ging‘s dann los. Sie träume von einer Familie, von Haus und Einbauküche und Garten und dem ganzen Spießerkram. Schicke Karre dazu, Pool, edle Fummel – das volle Programm eben. Natürlich reichten ihr meine paar Kröten nicht mehr und überhaupt könne sie mit mir über nichts reden. Mein Wortschatz wäre beschränkt, meine Kumpels alle unmöglich und sie hätte die Nase voll, jedes Wochenende mit diesen Blödmännern auf dem Fußballplatz abzuhängen und sich anschließend die Kante zu geben. Nachtigall, ich hör dir trappsen.

Reckte jedenfalls die Nase ganz schön hoch, die Süße. Meinte, sie wäre sonst was mit ihrer Apothekerlehre und ihrem weißen Kittel und frommen Augenaufschlag. Dreht den Leute Pillen an, die sie nicht brauchen, statt mal was Anständiges abzudrücken. So Sachen eben, die man einfach braucht. Mother‘s little helpers und so.

Die Sache eskalierte dann, als ich ihr vorschlug, mal einen Griff in den Apothekerschrank zu tun, den Giftschrank, der hinten im Aufenthaltsraum steht. Merkte kein Mensch. Ihr Chef wäre doch ein selten dämlicher Esel, der überhaupt nicht checkte. Eigentlich würde sie den ganzen Laden schmeißen. Damit hatte sie mir jedenfalls immer in den Ohren gelegen. Mit dem Zeug könne man doch ordentlich Kohle machen, wenn man wusste, wie – ein Schritt hin zu ihrem geliebten Spießerleben. Von nichts kommt eben nichts.

Du lieber Himmel, dass sie so unter die Decke gehen würde, hatte ich nicht erwartet. Hat mich doch glatt aus ihrer Bude geworfen, Schluss mit lustig. Ich könne froh sein, wenn sie nicht die Bullen holen würde. Ich ließ die Alte labern und verzog mich. Andere Mütter haben auch schöne Bräute.

Aber irgendwie wurmte mich die Sache. Die bunten Pillchen aus dem Giftschrank gingen mir nicht mehr aus Kopf. Die Kohle, die es dafür gab, konnte ich auch gut alleine auf den Kopf hauen. Einschließlich ein paar Träume hin und wieder. Nicht, dass ich das brauchen würde. Aber mit der Zeit ging mir diese dämliche Paketschlepperei doch gewaltig auf die Nerven. Und nur ein paar Bierchen mit den Kumpels machen die Kohl nicht fett.

Jedenfalls wurde die Sache langsam spruchreif. Mein Plan war wasserdicht. Mittwoch nachts hatte die Süße Nachtdienst, ging erst abends zur Apotheke und hatte tagsüber die Schlüssel zu Hause. Ich würde der Süßen ein Päckchen bringen und dann sanft überzeugen, wie das so meine Art ist. Wenn sie erst Mal eine paar Klunker in die Finger bekam, würde sie schon einsehen, dass ich the one and only war. Im Endeffekt sind doch diamonds girl’s best friend, wie der Franzose sagt. Hat jedenfalls mein Alter immer getönt, wenn er ordentlich getankt hatte. Und ein Familienleben ist eigentlich auch nicht zu verachten, mit genügend großem Polster. Nachschub würde es dank meine Süßen immer geben. Außerdem lagen noch ein paar Sächelchen in ihrem Keller. Die wollte ich schon lange verticken.

„Paketpost!“ Der Summer an der Haustür ertönte. Ich schnappte mir das Paket und stieg hoch in den dritten Stock. „Was willst du denn hier? Verschwinde, oder …“ „Freue mich auch, dich wieder zu sehen, Süße. Los, rein mit dir und Schnauze halten!“ Blitzschnell hatte ich sie in die Wohnung gedrängt, als ich plötzlich von hinten eins über gezogen kriegte. „Meine Verlobte hat mich schon vorbereitet, dass Sie wahrscheinlich mal einen Freundschaftsbesuch machen würden. Sie haben ja auch noch heiße Ware im Keller versteckt. Meinten wohl, sie kriegt davon nichts mit. Verstehe ich ja sehr gut, dass die Schächtelchen in meiner Apotheke zu verlockend sind. Na, im Knast können Sie ja mal ein paar Kartons falten. Zeit genug werden Sie ja haben. Sehr viel Zeit. Ich schätze, Verstoß gegen das BtMG ist noch Ihr geringstes Problem.“

Das ist die ganze Geschichte, Herr Anwalt. Meinen Sie, Sie können da was drehen?

©perlengazelle

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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