Die goldene Adele

Klimt_Adele

Das Bildnis Adele Bloch-Bauer I, auch „Goldene Adele“ genannt, ist ein Gemälde des Malers Gustav Klimt. Das Bild gilt als eines der bedeutendsten Werke Klimts, wie auch des östereichischen Jugendstils (Wiener Secession) insgesamt. Im Zuge der Medienberichterstattung rund um die Rückgabe des Gemäldes an die Erben durch die Republik Österreich wurde sie mitunter als „Ikone“ der kulturellen Identität des Landes bezeichnet.

Der Film „Die Frau in Gold“ handelt von dem Kampf der Maria Altmann, einer Nichte von Adele, um die Rückgabe von 5 Klimt-Bildern – u.a. der Goldenen Adele – aus dem Besitz der Familie.

Der Film verwebt geschickt zwei Erzählstränge. Zum einen den Kampf mit den Gerichten in den USA und in Österreich, zum anderen werden in Rückblenden Szenen aus dem Familienleben in den 30er Jahren gezeigt. Familienfeste wechseln sich mit Nazi-Aufmärschen ab. Demütigungen der jüdischen Bevölkerung nehmen zu. Die immer größer werdende Bedrohung wird dabei deutlich. Reichlich auf die Tränendrüse gedrückt wird allerdings beim Abschied auf immer der Maria Altmann von ihren Eltern. Nie im Leben hätte sie sich von ihrem Vater, der sehr krank war, getrennt, sagte die echte Maria. Sie blieb bei ihm, bis er starb. Erst dann flüchtete sie 1938 aus Wien.

Rechtsanwalt Eric Randol Schoenberg, ein Enkel des Komponisten Arnold Schönberg, setzte sich für die Rückgabe von fünf Klimt-Gemälden ein. Dargestellt wird er als der übliche naive Klischee-Amerikaner, der zunächst um des Hornorars willen den Fall übernimmt und sich erst im Lauf der Zeit der Geschichte des Holocaust, auch des Bezugs zu seiner eigenen Geschichte, bewusst wird.

Hubertus Czernin, ein Östereichischer Journalist und Verleger, brachte 2005 die Frage ins Rollen, warum mehrere Bilder Gustav Klimts aus der staatlichen Österreichischen Galerie Belvedere Jahrzehnte nach dem Ende der NS-Herrschaft noch immer nicht an Maria Altmann und die anderen Erben der nach dem Anschluss enteigneten ursprünglichen Besitzer zurückgestellt waren. Seine tatsächliche Rolle wird in dem Film zugunsten des Schönberg-Enkels reduziert. Sein Anteil war in Wirklichkeit wesentlich höher. Die Intention für die Recherchen im Film, nämlich die NSDP-Mitgliedschaft seines Vaters, wirkt konstruiert und ist es auch. Tatsächlich hatte Czernin erst erst 2006 von dieser Mitgliedschaft erfahren, also lange nach seinen Recherchen zum Kunstraub.

David Brühl mit österreichischem Akzent in der Rolle des Czernin hat mich nicht überzeugt. Brühl bleibt einfach immer Brühl.

Maria Altmann wird von der wunderbaren Helen Mirren verkörpert. Für Maria ist das Bild nicht nur ein Kunstwerk. „Sie sehen das berühmteste Gemälde Österreichs, ich sehe meine Tante!“, sagt sie vor der Wiener Kommission. Klein, zart, unerschrocken und kämpferisch ist sie anfangs naiv optimistisch. Aber die Aussicht, wieder nach Wien zu fahren, belastet sie schwer. Dort wollte sie eigentlich nie wieder hin. Mit der Zeit wird sie auch vom Kampf mit den Behörden zermürbt – Österreich kämpft zäh um den Verbleib der „österreichischen Mona Lisa“. Sie will die Brocken hinschmeißen und triumphiert doch am Ende. Die Bilder müssen zurückgegeben werden. Von ihrem Kompromissvorschlag, die Bilder nach Zahlung einer Entschädigung in Wien zu belassen, rückt sie desillusioniert ab. Ronald S. Lauder (Sohn von Estée Lauder) kaufte die Adele im Jahr 2006. Sie wird seitdem in der Neuen Galerie New York in Manhattan ausgestellt.

Weltweit werden bis heute über 100 000 von den Nazis geraubte Kunstwerke mit einem Wert von mehreren Milliarden Euro vermißt, heißt es im Abspann des Films. Dieses Kapitel ist noch lange nicht abgeschlossen.

Fazit: ein mäßig spannendes Gerichtsdrama. Ein Film mit viel amerikanischem Pathos, nach dem üblichen Strickmuster: David kämpft gegen Goliath, muss ein paar Rückschläge überwinden, siegt aber letztendlich und alle klatschen Beifall und rufen Bravo. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht. Dass der Film die Problematik der Beutekunst in den Fokus rückt, ist lobenswert.

 

siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Adele_Bloch-Bauer_I

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Über perlengazelle

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3 Antworten zu Die goldene Adele

  1. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Es gibt dazu eigentlich bereits eine hervorragende Doku, ich glaube, sie heißt Stealing Klimt. Ich sah sie vor Jahren in unserem Programmkino und war tief beeindruckt. Schade, dass der Film nun so sehr dahinter zurückzubleiben scheint. Wenn es dir möglich ist, schau dir die Doku an, die ist wirklich toll.
    Wir hatten Gelegenheit, in der Neuen Galerie in New York die goldene Adele und einige andere wunderschöne Klimts im Original zu sehen – kann ich auch sehr empfehlen ; )

    Liebe Grüße
    Petra

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  2. perlengazelle schreibt:

    Danke für den Tip mit der Doku. 🙂 Scheint mir die bessere Alternative zu sein.
    Jaaaaa, New York, das wär’s. Wenn ich bloß nicht sone Flugangst hätte …
    Liebe Grüße

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