Fortsetzungsgeschichte

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Adrienne Monnier war eine der ersten Buchhändlerinnen in Frankreich. Sie arbeitete zunächst als Lehrerin. 1915 eröffnete sie zusammen mit ihrer Freundin Suzanne Bonniere  in der Rue de l’Odéon in Paris eine französische Buchhandlung mit dem Namen „La Maison des Amis des Livres“. Sie veranstaltete im „Maison“ Lesungen mit zeitgenössischen französischen Schriftstellern wie André Gide, Paul Valéry und Jules Romains und trug so dazu bei, diese einem größeren Kreis Literaturinteressierter bekannt zu machen. Auch Colette, Paul Valéry, André Breton, Paul Claudel und Rilke verkehrten in der Buchhandlung.

Sylvia Beach stammte aus einem presbyterianischen Elternhaus. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren Missionare in Indien. Im Jahre 1901 zog die Familie Beach nach Frankreich, weil der Vater Sylvester Beach  stellvertretender Leiter der American Church in Paris und des amerikanischen Studentenzentrums wurde. In den letzten Jahren des Ersten Weltkrieges studierte Sylvia Beach zeitgenössische französische Literatur.

Als sie Nachforschungen in der Bibliothèque Nationale durchführte, stieß sie auf den Namen  von Adrienne Monniers Buchhandlung und wurde sofort ein Mitglied ihrer Leihbibliothek. Sie träumte von einer Zweigstelle in New York, doch aus finanziellen Gründen – in Paris waren die Mieten viel billiger und die Wechselkurse günstig –  eröffnete sie mit Hilfe von Adrienne Monnier 1919 in der Rue de l’Odéon die Buchhandlung Shakespeare & Company für englischsprachige Bücher. Die beiden wurden auch privat ein Paar.

 

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Die Buchhandlung wurde zum Treffpunkt vieler Schriftsteller der Lost generation – unter ihnen Ernest Hemingway, F. Scott Fitzgerald, James Joyce, und T. S. Eliot. Durch die Publikation des Werkes Ulysses durch Sylvia Beach wurde Shakespeare & Company berühmt.

 

Hier spricht Sylvia Beach über die Publikation :

http://www.rte.ie/archives/2013/0307/374553-sylvia-beach-on-publishing-ulysses/

 

James Joyce im Gespräch mit Sylvia Beach und Adrienne Monnier in der Buchhandlung Shakespeare und Company:

James_Joyce_with_Sylvia_Beach_at_Shakespeare_&_Co_Paris_1920

 

 

Nach der Besetzung von Paris durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg schloss Beach binnen Stunden das Geschäft, um eine Plünderung oder Enteignung zu vermeiden, nachdem sie sich geweigert hatte, einem deutschen Offizier ihr Exemplar von Finnegans Wake zu verkaufen. Der symbolischen Befreiung durch den US-Soldaten Ernest Hemingway 1944 folgte jedoch keine Wiedereröffnung.

Adriennes Schwester Marie Monnier war verheiratet mit dem französischen Maler und Buchillustratoren Paul-Emile Bécat (1885–1960), der sowohl Adrienne Monnier als auch Sylvia Beach porträtierte.

Paul -Emile Becat_adrienne monnier

 

 

 

 

 

 

 

 

Paul-Emile Bécat_Adrienne Monnier (Ausschnitt)

 

Er ist heute weniger für seine Ölgemälde, sondern vor allem als Illustator erotischer Werke namhafter Lyriker und Romanciers bekannt.

Adrienne Monnier gab außerdem mehrere Literaturzeitschriften heraus, arbeitete als Essayistin und Übersetzerin. Durch Krankheiten wie akustische Störungen des Innenohrs und Wahnvorstellungen geplagt, beging sie 1955 Selbstmord, indem sie eine Überdosis Schlaftabletten nahm. Monnier und Beach lebten bis dahin 36 Jahre zusammen.

 

George Whitman

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

1951 eröffnete der Amerikaner George Whitman nicht nur eine englischsprachige Buchhandlung in Paris, sondern auch einen Wohn- und Zufluchtsort für brotlose Schriftsteller und Reisende.

1964 änderte er nach dem Tod von Sylvia Beach den ursprünglichen Namen „Le Mistral“ in „Shakespeare and Company „als  Hommage an das Originalunternehmen. Er beschrieb diesen Namen als „einen Roman in drei Worten“ und bezeichnet den Laden als eine als sozialistische Utopie getarnte Buchhandlung. Sie umfasst Schlafgelegenheiten von 13 Betten, und Whitman behauptet, dass bis zu 40.000 Menschen dort über die Jahre geschlafen haben.

„Beim Öffnen meines Geschäfts bin ich froh wie ein Fischer, der sein Netz auf glitzernder See auswirft. Von diesem Augenblick an kann ganz Paris hereinströmen und im Meer der Literatur untertauchen.“ (G. Whitman)

Die Übernachtung kostet nichts. Wer die Gesichtskontrolle durch George bestanden hat, kann bleiben solange er will. Unter der Bedingung, dass er die internen Regeln respektiert. Erstens gilt: Eine Gratisnacht wird mit ein bis zwei Stunden ehrenamtlicher Arbeit bei Shakespeare & Co. abgegolten sowie der Lektüre eines Buches. Anweisung Nummer zwei: Direkt nach dem Aufwachen den Schlafsack einrollen und sämtliche Privatutensilien aus dem Blickfeld räumen! Schließlich der dritte Punkt des Hausbrauchs: Zum Abschied händigt der Gast seine exklusiv angefertigte Miniautobiografie mit Foto aus.

Der Name seiner Tochter Sylvia Beach Whitman, seiner Nachfolgerin, ist ebenfalls eine Hommage. Es besteht keinerlei Verwandtschaft.

Siehe auch hier:

http://derstandard.at/1395363535242/Wo-Weltenbummler-Zuflucht-finden

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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7 Antworten zu Fortsetzungsgeschichte

  1. Kastanie schreibt:

    Danke für die Empfehlung! Ich habe „Shakespeare & Company“ jetzt auf die Liste der Orte gesetzt, die ich mir in Paris unbedingt mal anschauen muss.

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  2. perlengazelle schreibt:

    Dazu Lesetipp: „Shakespeare and Company – Ein Buchladen in Paris“ von Sylvia Beach http://www.suhrkamp.de/buecher/shakespeare_and_company-lilly_von_sauter_37323.html

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  3. Pingback: Auf den Spuren von Hemingway in Paris | Über den Kastanien

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