Mein Leipzig lob‘ ich mir!

Eine picke-packe-vollgestopfte Woche liegt hinter uns. Leipzig, Dresden, Coswig … eine Städtetour durch Sachsen und eine Reise zu den Verwandten des Gatten, die er zuletzt zu Vorwendezeiten als Kind besucht hatte.

Leipzig – Idylle am Karl-Heine-Kanal:

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Dresden – die Frauenkirche:

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In der Mitte der Woche mein persönlicher Ehrentag:

Geburtstag

Und dann ein weiteres Highlight – die Buchmesse:

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Wir lassen uns treiben und landen beim ARD-Studio. Das ARD TV-Forum ist die Bühne von „ttt – titel thesen temperamente“ und „druckfrisch“ auf der Buchmesse. Denis Scheck spricht mit Martin Mosebach. „Auszeichnungen und Preise sind wie Hämorrhoiden. Früher oder später bekommt sie jedes Arschloch“ – ein Zitat von Billy Wilder, mit dem Scheck das Gespräch beginnt. Mosebach ist einer der Buchpreisnominierten.

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Wir erfahren, dass dieser – ein gelernter Jurist – durch Golo Mann als Schriftsteller entdeckt wurde, von MRR schrecklich verrissen wurde, dass er von Natur aus faul sei und deshalb zum Schreiben immer in ein Land fahre, dessen Sprache er nicht verstünde, um durch nichts abgelenkt zu werden. „Mecklenburg-Vorpommern?“, die süffisante Nachfrage von D. Scheck.

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Wir hören Angelika Klüssendorf zu, mit ihrem Roman „April“, die sich im Leipzig der späteren siebziger Jahre zurecht finden muss. Das Buch enthalte viele autobiographische Bezüge – wie April habe sie zum Beispiel im VEB Kombinat Starkstromanlagenbau Leipzig-alle (alle, weil das „H“ von Halle fehlte) gearbeitet, wie diese reiste sie in den Westen aus.

Zeitweilig kommt man in die Versuchung, die Protagonistin mit der Autorin zu verwechseln – sie selber verwischt im Gespräch auch immer wieder die beiden, differenziert dann aber, wenn ihr dieses bewusst wird, oder sie vom Gesprächspartner darauf hingewiesen wird.

„April“ ist quasi eine Fortsetzung von „Das Mädchen“, ist aber gleichwohl ein eigenständiger Roman. Irgendwann werde sie wohl einen dritten Fortsetzungsroman schreiben. Zuerst aber müsse sie sich erholen

Diese beiden kommen auf meine Wunschliste. Eine passendere Lektüre für unsere (Zeit)Reise nach Sachsen gibt es kaum.

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Später dann hören wir Ursula Graefe (Buchpreisnominierte für Übersetzungen) zu, die „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ von Haruki Murakami aus dem japanischen übersetzt hat. Wir lernen die Besonderheiten der japanischen Sprache kennen mit Doppelbedeutungen von Wörtern, was zu Missverständnissen führen kann. Murakamis „Die gefährliche Geliebte“ von war seinerzeit der Anlass zu dem Zerwürfnis von Sigrid Löffler und MRR im literarischen Quartett. Diese Ausgabe war eine Übersetzung aus dem amerikanischen gewesen, was vielleicht die Ursache von Missverständnissen in dem Streit war. Ein Amerikaner übersetze einen Japaner eben anders als ein Deutscher.

Mittlerweile sind wir gespannt auf die Bekanntgabe der Preise. Aber unsere Füße sind breit gelatscht, der Rücken ächzt unter Last der Frühjahrneuerscheinigskataloge. Die ZEIT mit ihrer Literaturbeilage wartet zu Hause in Essen. Im Hotel verfolgen wir die Preisverleihung. Weder Mosebach noch Graefe haben gewonnen.

Diese reizende ältere Dame haben wir auf der Buchmesse leider verpasst:

Denise Scheck

In voller Schönheit kann man sie hier bewundern:

http://www.3sat.de/mediathek/?mode=play&obj=42312

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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2 Antworten zu Mein Leipzig lob‘ ich mir!

  1. Hanna schreibt:

    Gabs die Bollhagen Vase zum „Ehrentag“ (alles Gute! – nachträglich), oder war die Bestandteil des Zimmerinventars? (Die ist einfach schön…die Vase!)

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  2. Hanna schreibt:

    Liebe Gazelle,
    mein Name ist Hanna, aussem Pott, nun aber Studentin in Heidelberg. Ich bin auf Ihren Blog gestoßen, als ich für den Kulturverein Querfeldein recherchierte. Der ist nämlich ganz neu in Heidelberg, will aber dennoch reden. Am liebsten mit Menschen, die für Studentinnen und Studenten besonders interessant sind: wie Denis Scheck zum Beispiel. Der will nun auch tatsächlich am 3. Juli nach Heidelberg zu uns kommen. Um den Literaturkritiker auch möglichst aussagestark präsentieren zu können, wollen wir zu Beginn entsprechende Fotos auf den Plan rufen. Und was könnte eine bestechendere Aussage machen, als der Screenshot, der Ihnen von Herrn/Frau Scheck gelungen ist. Leider kann man die Sendung nicht mehr aufrufen, weshalb ich mich fragte, ob es Ihnen möglich wäre, uns die Bilddatei noch in digitaler Form zu schicken?
    Unsere Mailadresse, die Sie auch gern bei etwaigen Rückfragen konsultieren können, ist diese: Heidelberg@verein-querfeldein.de. Ich würde mich sehr freuen, von Ihnen zu hören und wünsche Ihnen noch weiterhin viel Freude an Ihren wirklich fantastischen Blog!

    Hanna Miethner
    Verein Querfeldein Heidelberg

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