Und sagte ein einziges Wort

Hammershoi_Hvile

Vilhelm Hammershøi_Hvile

 

Kleine Auseinandersetzung

Du hast mir nur ein kleines Wort gesagt,
Und Worte kann man leider nicht radieren.
Nun geht das kleine Wort mit mir spazieren
Und nagt …

Uns reift so manches stumm in Herz und Hirn,
Den andern fremd, uns selbst nur nah im stillen.
Das schläft, solang die Lippen es verhüllen,
Entschlüpft nur unbewacht, um zu verwirrn.

Was war es doch? Ein Nichts. Ein dummes Wort …
So kurz und spitz. Leis fühlte ich das Stechen.
In solchen Fällen kann ich selten sprechen,
Drum ging ich fort.

Nun wird ein Abend wie der andre sein,
Sinnlos mein Schweigen, ziellos mein Beginnen.
Leer wird die Zeit mir durch die Finger rinnen.
Das macht: ich weiß mich ohne dich allein.

… Ich muß schon manchmal an das Ende denken
Und werde dabei langsam Pessimist.
So ein paar kleine Silben können kränken.
– Ob dies das letzte Wort gewesen ist?

Mascha Kaléko

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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6 Antworten zu Und sagte ein einziges Wort

  1. Elvira schreibt:

    Auch hier, bei Dir, ein Wort – mich treibt das Wort „Wort“ gerade um. Das erste ebenso wie das letzte (s.Post von gestern). Dieses Gedicht passt wunderbar dazu. Ich bin so dankbar, dass ich durch einige wenige Blogs einen so wunderbaren Blick auf Kunst im weitesten Sinne bekomme, der sich mir ansonsten nicht erschließen würde. Blogs ohne Blas und Blablas. Es ist schon schlimm genug im realen Leben von so viel Blabla umgeben zu sein.
    Herzliche Grüße von
    Elvira

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    • Elvira schreibt:

      P.S. Das Bild macht neugierig. Liest die Frau? Näht oder stickt sie? Warum assoziiere ich nicht Stricken? Weil das auf Gemälden eher alte Frauen machen? Aber die Haltung passt zu keiner dieser Tätigkeiten. Auch wäre der Stuhl nicht das richtige Möbel. Denkt sie nach? (Darum hast Du es wohl gewählt. Nachdenken über das Wort). Ich wüsste gerne mehr über diese Frau!

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    • perlengazelle schreibt:

      Das Gedicht fiel mir direkt ein, als ich deinen Wortewörterbeitrag las. 🙂
      Die klare Sprache der Kaléko, so ganz ohne Rumgeschwurbel – das mag ich.

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  2. perlengazelle schreibt:

    Das Bild heißt übersetzt Ruhe. Es lässt der Phantasie viel Spielraum.
    Auf anderen Bildern von ihm sieht man Frauen beim Lesen (siehe auch mein Gravatar), Sticken, Klavierspielen. Das Modell ist meistens seine Frau Ida, geborene Ilsted, deren Bruder Peter Ilsted ebenfalls malte.
    Das Musée d`Orsay schreibt zu diesem Bild: http://www.musee-orsay.fr/index.php?id=851&L=2&tx_commentaire_pi1%5BshowUid%5D=8828&no_cache=1

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  3. perlengazelle schreibt:

    Da fällt mir die Auswahl schwer. Versuch doch eine Zusammenstellung „der hundert schönsten Gedichte“, ausgesucht von Gisela Zoch-Westphal, der Erbin und Vertrauten von M. Kaléko, die das dichterische Werk der Lyrikerin Mascha Kaléko verwaltet.
    Mein Lied geht weiter – Gedichte

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