Heilige und profane Erinnerungen

Ich bekam ihn das erste Mal zu Gesicht, als wir an der Tür von Germer aneinander vorbeigingen, und bei dieser Gelegenheit machte sein Aussehen auf mich weniger Eindruck als die Tatsache, dass er einen großen Teddybären mit sich trug.

„Das“, erklärte der Friseur, als ich mich niedersetzte, „war Lord Sebastian Flyte. Ein sehr amüsanter, junger Herr.“

„Scheint so“, sagte ich kühl.

„Der zweite Sohn des Marquis von Marchmain. Sein Bruder, der Earl of Brideshead, ist letztes Trimester fertig geworden. Ja, der war ganz anders, ein sehr stiller Herr, ganz wie ein alter Mann. Was, meinen Sie wohl, hat sich Lord Sebastian gewünscht? Eine Haarbürste für seinen Teddybären; eine mit sehr harten Borsten, nicht, so hat Lord Sebastian gesagt, zum Bürsten, sondern damit er ihm mit Prügeln drohen kann, wenn er eigensinnig ist und bockt. Er hat eine sehr hübsche Elfenbeinbürste gekauft und will Aloysius darauf eingravieren lassen – so heißt der Bär.“

Evelyn Waugh – Wiedersehen mit Brideshead

 

Ich beehre mich, aus den nachstehenden Gründen für die Dauer von drei Monaten um unbezahlte Freistellung vom Dienst zu ersuchen.

Im zivilen Leben bin ich Romancier und plane nun einen Roman, den zu schreiben etwa drei Monate in Anspruch nehmen wird. Dieser Roman wird keinen direkten Bezug zum Krieg haben und erhebt keinen Anspruch auf unmittelbaren Propagandawert. Allerdings hoffe ich, dass er einer größeren Anzahl von Lesern harmloses Lesevergnügen und Entspannung bietet und Unterhaltung mittlerweile als legitimer Beitrag zu den kriegsanstrengungen anerkannt wird.

Es zählt zu den Eigenarten literarischen Schaffens, dass man eine Idee, sobald sie im Kopf des Autors ausgereift ist, nicht liegen lassen darf, sonst verkümmert sie. Das Buch wird nämlich entweder jetzt geschrieben oder nie.

Evelyn Waugh am 24. Januar 1944 an den Leitenden Offizier des Ausbildungsregimentes der Life Guards in Windsor

 

Advertisements

Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s