Landleselust

Ja, ich geb´s zu. Ich lese die seit ihrem Erscheinen an Auflage stetig wachsende Zeitschrift „Land*lust“. Mit Begeisterung.

Ich ergötze mich an den alten Bauernhäusern, die von ihren neuen Besitzern in jahrelanger mühevoller Kleinarbeit saniert wurden. Ich mag die freigelegten frisch geschliffenen alten Dielenböden, die aufgearbeiteten Fachwerkwände, die liebevoll geschrubbten und polierten  Badewannen mit den Löwenfüßen. In den Küchen mit dem malerischen Sammelsurium von Geschirr und an Decken aufgehängten Kräuterbündeln steht häufig ein gusseiserner Herd, den man in der Provence entdeckt hat. Es schmeckt halt einfach viel ursprünglicher. Der Esstisch war in seinem früheren Leben das Scheunentor der Bauernkate. Mit seinen tiefen Kerben und Schrammen zeugt er von seiner bewegten Vergangenheit. Und die vielen Glasringe berichten von den feucht fröhlichen Gelagen. Selbstverständlich mit Rotwein aus der Toscana.

Die neu angebauten Wintergärten sehen aus, als wären sie schon immer da gewesen. Ganz in Weiß und Licht durchflutet versprechen sie in dunklen Wintermonaten gemütliche Lese- und Strickstunden. Ein natürlicher Ort der Ruhe und Zurückgezogenheit nach den Mühen des Tages.

Ich bewundere die Kunstwerke, die man aus zufällig am Weg aufgelesenen Dingen mit Hilfe von phantasievollen Anleitungen basteln kann. Die geflochtenen Weidenkörbe für das Kaminholz, die aus den Halmen des Pfeifengrases geklebten Weihnachtssterne und die Kräuterkränze, die so einen herrlichen Duft spenden, verwandeln das Haus in ein Heim.

Und doch ahnt man die Hand eines wahrscheinlich sündhaft teuren Architekten, der die Häuser so lange umgestaltet hat, bis nichts mehr vom ursprünglichen Charakter zu finden ist.

Auch die von Stauden überquellenden Bauerngärten, die so herrlich verwildert aussehen, bedürfen der harten und ausdauernden Hand eines kundigen Gärtners, um nicht in Chaos und Unkraut unterzugehen.

Die speziellen Bastelzutaten muss man eigens bestellen – in der freien Natur sind sie schwer zu finden. Ich bin jedenfalls noch nie darüber gestolpert.

 Und so sitze ich in meinem pflegeleichten Nullachtfuffzehn-Garten und studiere die  Zuchtanleitungen für alte Apfelbaumsorten. Ich habe keinen grünen Daumen und keine Lust, nach Feierabend Dielen freizulegen und selbst meine Kinder konnte ich mit meinen zusammen geschusterten Kastanienmännchen nicht hinterm Ofen hervor locken. Einen Kamin besitze ich nicht. Brauche deshalb auch kein Weidenkörbchen für die Holzscheite. Und schon gar nicht selbst gewalkte Filzlatschen für die kalten Tage – dank einer komfortablen Fußbodenheizung.

 Aber schön anzuschauen – auf Hochglanzbildern.

Ich freue mich schon auf die Dezemberausgabe. Brauche noch eine Gebrauchsanleitung für Kerzenständer, die man aus dünnen Birkenstämmchen drechseln kann.Und natürlich eine für Weihnachtsengel aus flauschigen selbst gesponnenen Garnen.

 Das macht alles so gemütlich und stimmungsvoll. Selbst gebastelt eben.

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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8 Antworten zu Landleselust

  1. Petra Gust-Kazakos schreibt:

    Die Landlust habe ich bisher noch nicht gekauft, aber ich verstehe dich gut: Diese schön inszenierten Fotos, alles sieht so herrlich lässig aus, aber ist sicher nicht das Ergebnis liebevoll verschlampter Haushaltung. Zum Träumen sind solche Hefte wirklich herrlich und den ein oder anderen Tipp fürs eigene Zuhause ohne Kamin und Scheunentortische findet man auch immer. Liebe Grüße
    Petra

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  2. Elvira schreibt:

    Meine Lektüre früher war über viele Jahre „Kraut&Rüben“. Nach dem Motto: Zurück zur Natur. Nach ersten euphorischen Umsetzversuchen blieb zum Schluss nur noch das Blättern in der Zeitschrift, unterlegt mit einem Seufzer ab und wann. Und eines Tages gab es keinen Garten mehr. Und Kraut&Rüben wurde abbestellt. Mein Mann sieht mit allergrößtem Vergnügen Gartensendungen im TV. Querbeet durchs Gartenjahr ist sein Favorit. Im eigenen kleinen Garten konnte er damals nicht viel machen. Zeitmangel, Feierabendmüdigkeit u.ä. Gründe sprachen dagegen. Warum also nicht träumen? Und anderen einfach nur zusehen. Bilder gucken und sich freuen, in der Küche mit all den vielen offenen Regalen, vollgepackt mit altem Geschirr oder dekorativ platzierten Einzelstücken, nicht putzen zu müssen.
    Liebe Grüße von Elvira

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    • perlengazelle schreibt:

      Gartensendungen liebe ich auch. Und Kraut und Rüben lese ich auch ab und an – online. Und bei den offenen Regalen denke ich auch ans Putzen und an den Fettfilm. Aber schön sindse. 😉
      Am liebsten lese ich Blogs von der Art „Zurück zur Natur“ – so einsame Alphütten ohne Strom und mit Außenklo und im Sommer Einmachen ohne Ende.
      LG Gazelle

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      • Elvira schreibt:

        Zum Lesen bestimmt schön! Aber Außenklo hatte ich mal – allerdings nicht auf einer Alm. Das macht wohl sicher einen wichtigen Unterschied. Ob da eine Kuh durchs Herzfenster lugt oder ein von einem Bein aufs andere hampelnder Nachbar ungeduldig gegen die Tür hämmert, während man drinnen über einer Illustrierten mit Bildern von herrlichen Innentoiletten die Zeit vergessen hat (und vielleicht sogar das Klopapier in der Wohnung und nun die Seiten der Illustrierte herhalten müssen). So hat halt jeder seine Träume 🙂

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  3. perlengazelle schreibt:

    Kein Außenklo, aber eins auf dem Flur – das gab es bei meinen Großeltern. Das Fenster zeigte zur Eingangstreppe. Dann konnte man die heimkehrenden Bewohner beobachten. Und Opas Western-Heftchen lesen, die er in dem Kabinchen hinter einem Vorhang gehortet hatte. 🙂
    Schön sind übrigens auch Bergsteigerfilme – kernige Kletterer, die sich im Schnee verirrt haben und allmählich erstarren. Wenn man dabei schön gemütlich auf der Couch unter der warmen Decke liegt. Mit einem heißen Tee. Und dabei Sturm auf dem Palü und „Lasst mich hier im Eis, wo ich hingehöre.“
    Du liebe Zeit, was so ein Landaufsatz für Assoziationen weckt … 🙂

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  4. perlengazelle schreibt:

    Es gab im Tagesspiegel mal eine Rubrik *TS Sensation*. Es wurden ein paar Stichworte vorgegeben und man musste online in 5 Minuten einen Artikel daraus basteln. Der dann von den anderen Noten bekam. Das war klasse. Später kamen noch Gedichte dazu, Kriminalgeschichten mit Fortsetzungen. Und Kleinanzeigen, auf die man auch antworten konnte, mit Stichwörtern natürlich. Schade, dass das eingestellt wurde.

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