Etwas Besseres als den Tod

Helle Aufregung herrscht in unserer Straße. Anwohner stehen in Grüppchen und fuchteln erregt mit den Händen. Die Gerüchteküche hat schockierende Meldungen: unsere Stadt sucht händeringend nach Unterkünften für Asylbewerber und just in unserer seit den Sommerferien geschlossenen Grundschule sollen Flüchtlinge einziehen.

Man stelle sich vor: diese Leute lassen alles verdrecken, sie passen sich nicht an, sie urinieren in unseren Gärten, man müsse die Gartenstühle demnächst anketten, der Wert unserer Häuser sinke ins Bodenlose … der ganze Stadtteil verkäme zum Slum.

Schon hat sich eine Gruppe zu einem Treffen verabredet. Das werde man zu verhindern wissen, sagt ein älterer Herr.  Das klingt irgendwie martialisch.

Schüchtern erinnere ich an eine dunkle Zeit, in der deutsche Flüchtlinge verzweifelt woanders Asyl gesucht hatten.

Das sei etwas anderes. Das seien schließlich Deutsche gewesen.

Achso.

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde.

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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2 Antworten zu Etwas Besseres als den Tod

  1. Elvira schreibt:

    Solch ein ähnliches Gespräch hatte ich letztens mit dem Inhaber eines kleinen Ladens (an- und Verkauf neuer und älterer Bücher). In unserem Bezirk gab es vor vielen Jahren ein Übergangslager für Russlanddeutsche. Hübsche kleine Containerbungalows im Grünen. Damals wogten die Wellen schon hoch. Die typischen Sprüche vom Russen, der sicher einen deutschen Schäferhund im Stammbaum hat. Jetzt ist ein Asylantenheim im Gespräch. Gegen Antiaufkleber in der Gartenkolonie bin ich (leider erfolglos) schon vorgegangen. Gegen die NPD-Wahlplakate geht das leider nicht. Jedenfalls meinte dieser Mann, genau auf dieses von Dir beschriebene Beispiel, da kämen ja auch Menschen ohne jede Papiere und wenn der Eimer voll ist, dann geht eben nichts mehr rein und man könne die Flüchtlinge nach dem Krieg doch nicht mit denen vergleichen. Ich habe nur gesagt, dass bei uns im Eimer noch sehr, sehr viel Platz ist, dass Menschen einfach froh wären, sich lebend aus ihren zerbombten Häusern gerettet zu haben. Wen kümmern da Papiere?
    Woher kommen diese Vorbehalte? Wer hat wann begonnen diese Ängste zu schüren? Oder waren und sind sie latent immer vorhanden? Ich verstehe es nicht!

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  2. perlengazelle schreibt:

    Die NPD wird jetzt im Wahlkampf jede Gelegenheit nutzen, um Propaganda zu machen, fürchte ich. Und bei einigen auf offene Ohren stoßen …

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