Das Runde in das Eckige

Eigentlich interessiere ich mich nicht für Fußball. Gut, bei Länderspielen – EM oder WM – schau ich schon mal hin, wenn unsere Jungs spielen. Aber wenn es zu spannend wird, muss ich raus, mich bewegen. Ich halte es nicht aus, diese quälend letzten Minuten, die noch herüber gerettet werden müssen – zum glücklichen Ende oder in die Verlängerung. Dabei ist es doch eigentlich wurscht, wer am Ende gewinnt. Ich kriege keine müde Mark, wenn der Pokal nach Deutschland geht. Im Gegensatz zu den hoch bezahlten Profis.

 Jetzt konnte man dem Hype kaum entgehen. Die Bayern waren ständig auf dem Schirm. Ausführlich wurde vor dem Spiel diskutiert, wer denn das Rennen machen würde – natürlich die Bayern. Und eben so ausführlich wurde nach dem Spiel erörtert, warum auch diesmal die Bayern einfach siegen mussten. Sogar seriöse Talkshows beschäftigten sich intensiv mit dem Thema. Man konnte dem kaum entgehen. Es gab nichts Wichtigeres auf der Welt.

Die Kanzlerin schüttelte gar dem Steuersünder Uli Hoeness in Wembley die Hand! Unglaublich!

Als eingefleischte Ruhrpottbewohnerin tendiere ich ja mehr zu einem Heimatverein. Zumal  Jürgen Klopp allemal schnuckeliger ist als Jupp Heynckes. Besonders da er doch gerade seinem Haarschopf zu alter Pracht verholfen hat. Da bewegt Frau dann die wichtige Frage, ob denn die neuen Eingepflanzten auch weiter wachsen. Ein bizarres Bild, wenn sie auf gleicher Länge blieben, während die alten fleißig weiter sprießten.

Aber nun das Triple. Eine Sensation von ungeheuerem Ausmaß! Bayern hebt die Welt aus den Angeln. Der Bildschirm ist rotweiß. Eine neue Bayernhymne erklingt. Ein Video zur „Bayern-Hymne“ der Münchener Philharmoniker mutierte in den vergangenen Tagen zum Medien-Hit. Passend zum Champions-League-Finale nutzte die Telekom, Bayerns Haupt-Sponsor, die Gunst der Stunde und zeigte eine Adaption im TV. Dirigent und Bayern- Fan Lorin Maazel trägt in dem Video ein Bayern-Trikot mit einem T-Logo.

Man geriet in Versuchung, bei den Klängen aufzustehen und wie die Amis die Hand aufs Herz zu legen.

In der Zeitung lese ich – versteckt in einem kleinen Artikel –, dass die Frauenmannschaft des VfL Wolfsburg ebenfalls das Triple gewonnen hat.

Das ist den meisten Gazetten höchstens einen Dreizeiler wert.

Advertisements

Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Das Runde in das Eckige

  1. Naomi schreibt:

    Jetzt bin ich doch irgendiw über das Kolmar-Bild endlich in deinen Blog gestolpert … 🙂
    Sehr schön, von dir zu lesen, du Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Boerne-und-Meryl-Streep-Fan, Randfichte und so weiter und so fort.

    Mitm Fußball hab ich es nicht so dolle – ich habe aber während des „deutschen Sommermärchens“ mal zwei Fußballspiele gesehen und kann jetzt nur grinsen und wie du murmeln: „Ja – manchmal kann man in Versuchung geraten, bei den Klängen aufzustehen und wie die Amis stehend die Hand aufs Herze zu legen.“

    Winkewinke – und ich werd dich von jetzt an regelmäßig lesen – Naomi

    Gefällt mir

  2. Naomi schreibt:

    Korrektur:
    Es muss natürlich „irgendwie“ heißen …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s