Erste Liebe

Bericht aus einer Kindheit

Weil er die Geige spielte wie ein Engel,

Vorausgesetzt, daß Engel Geige spielen,

Gehörte ihm mein halb erwachtes Herz

Mit seinen höchst verwirrenden Gefühlen.

 

Vom Reich der Kindheit offiziell verbannt,

Das Tor zur Welt der Großen noch versperrt,

So schwebte ich in meinem Niemandsland

Und lebte für ein Violinkonzert.

 

Da saß ich denn in der Philharmonie

Und schämte mich der dummen fünfzehn Jahre.

Das Schottenröckchen reichte kaum ans Knie,

Und auf dem Podium stand der Wunderbare

 

Und musizierte sich stracks in mein Leben,

Trug seinen Namen in mein Schicksal ein.

Mama in schwarzem Taft saß dicht daneben

Und ahnte nichts. Und ich war so allein.

 

So einsam war die Welt in jenem Herbst.

Die Ahornbäume sandten ihren herben

Oktoberduft zum Abschied in den Park.

Ich lernte damals unauffällig sterben.

Mascha Kaléko

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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