Bis die Tage – Moderne Kunst

Neulich hat der Chef von mein Ärwin gesacht:“ Hörnse ma, Herr Ärwin, ich hab da zwei Karten für ne Vernissage. Da könnse ma hin mit Ihre Gattin.“ Und dass dat gemeine Fußvolk auchma wat für die Bildung tun muss. Ein gedeckten Anzug wär erwünscht.

Also hat den Ärwin den schwatten Anzug außen Schrank geholt, ein gestreifte Schlips und ich dat geblümte Cocktailkleid und ab nache Galerie.

Erstma hat sone Kunsttante wat erzählt von ne melancholische Maler und dat se nicht malen könn, wenn se nicht traurig wärn. „Meine Damen und Herren, hier können se die Einsamkeit des Künstlers anne Palette studiern, die Kälte in Atelier, die heikle Begegnung mit sich selbst.“ Und dat Büffett wär hinten, für dat leibliche Wohl nicht zu vernachlässigen.

Un zack dat ganze Volk am Essen fassen. Und der Ärwin sacht: “Kannze ma sehn, Trulla, erst kommt dat Fressen, dann die Kunst.” Und dat die Häppchen ja bloß bessere Kniften wärn und wat fürn hohlen Zahn.

Und als sonne Tussi mit Dutt und Faltenrock an faseln war: “Vermutlich ein frühe Picasso aus seine karierte Phase. Hier kann man die transzendale Überwindung der menschliche Blockade auf dat Eindruckvollste erkennen.”, da hattet den Ärwin gereicht. “ Komm, Trulla, ab nach Hause. Geh mich wech mit den Picasso, nix wie Dreiecke un Vierecke und dat eine Auge vorn oben und dat andere hinten unten. Dat is die reinste Faaasche.“ Und dat se ihn son Bild schenken könnten, er würdet nicht inne Wohnstube aufhängen, höchstens in Flur, für die Einbrecher zun Abschrecken.

Und an andern Tach hatta mir son Gobelengbild mitgebracht: “ Hier, Trulla, da kannste mal sehn, wat richtige Kunst ist von son alten Meister, nache Vorlage von Kalle Spitzwech, da kannte noch erkenn, wo vorn und hinten is. Ich glaub, den Picasso, den is die Einsamkeit innen Kopp gestiegen, der wär mal besser nachen Verein gegangen für die Geselligkeit und dann hätta auchma nen paar vernünftige Bilder verzapft, statt so melancholische Dreiecke zu malen.”

Da lässt da Ärwin nicht mit sich reden!

Bis die Tage

Euer Trulla

©perlengazelle

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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Eine Antwort zu Bis die Tage – Moderne Kunst

  1. Johanna Seewald schreibt:

    Ein wirklich gelungener Vernissagebesuch! Nen Picasso würd ich auch gerne – nur zur Abschreckung eventueller Einbrecher – innen Flur hängen!!!!!!!

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