Meine Geburt als Lyrikerin

Manchmal kommt man zu Dichten wie die berühmte Jungfrau zum Kinde. Das online-Spiel einer großen Tageszeitung (jetzt leider eingestellt) fungierte als Geburtshelferin. Mit Herzblut, einigen vorgegebenen Stichworten und in sieben Minuten entstand folgendes Werk:

Letzte Worte oder Das große Los

Im Walde einst ein Wildschwein saß,
das dachte vor sich hin:
„Ob ich wohl einen Pilz vergaß?“
Nach Trüffeln stand ihm jetzt der Sinn.
Es grübelte, die Stirn in Falten:
„In dieser Wildnis fürchterlich
sind Pilze gar nicht mehr an alten
Plätzen.“ So reckte es schmatzend sich
und schnüffelte mit seiner Nase
an einem Baum, wo gestern bei der Jagd
ein Gewaltschuss einen Hasen
traf. Der hatte sich nen Pilz gegönnt –
das war sein Schicksal fürchterlich.
Ein Jäger mit dem Hund ihn fönd.
Dem Wildschwein war dies sicherlich
bedenkenswert. So verzichtete es weise
auf die geliebten Trüffel. Oh, Leser, willst du Pilze,
gehst du vielleicht auf eine letzte Reise.

Drum sei so gut und esse lieber Sülze!

® Perlengazelle

Rezensionen:

Mit diesem Gedicht hat sich Perlengazelle nun endgültig in die erste Riege der deutschen zeitgenössischen Lyriker geschrieben. Schreiben, um nicht zu sterben – diese Maxime scheint die spät berufene Dichterin anzutreiben. Der Gedanke an die schicksalhafte Vorbestimmtheit des menschlichen Daseins ist ebenso philosophietauglich wie die von der Ungewissheit der Zukunft. Die Zeit erscheint als eine knappe Ressource, die nicht mehr selbstverständlich zur Verfügung steht. Die Verteilung von Lebenszeit an einen im Text unbestimmt bleibenden Leser ist zur Grundfrage des Daseins geworden. Solche schweren Fragen an die letzten Dinge hat Perlengazelle eingebunden in eine virtuose Reimerei. Ratzfatz

Die Lyrik von Frau Perlengazelle ist weitläufig und welterfahren. Sie ist ein ganzer Kosmos, erschaffen aus den Erfahrungen einer  Hobbyköchin, einer gewaltlosen Waldläuferin und Pilzsammlerin und dabei bis zur Wortkargheit knapp, aber nie reduziert. Sie klöppelt präzise mit Sprache als Erkenntnismittel. Sie erweitert unsere Wahrnehmung der Wirklichkeit mit originellen Metaphern und einfachen und doch schlagenden Bildern wie das des philosphierenden Wildschweines. Vertrauen Sie mir, ich weiß, was ich tue und lesen Sie Frau Perlengazelles Gedicht. Dennis Schreck in Frischdruck

Wärrr ist diese Frrrrau? Ich kenne sie nicht. Ihrrrre Lürrrick interrressierrrt mich nicht. Und Sülze find ich bäh! Der Literrrraturrrpapst

Ein sehr schöner kleiner Gedichtband. Ich sage nur: Lesen! Lesen! Lesen! Sonst noch was? Die Literaturpäpistin

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Über perlengazelle

Ich komme: aussem Pott. Ich bin: eine Rechenknechtin, Erbsenzählerin, Randfichte, Sitzriesin, Heinzelmännin. Ich mag: Woody Allen, Mascha Kaléko, Rilke, Siri Hustvedt, Vilhelm Hammershøi, Hannes Wader, Ludwig Hirsch, Kimmo Joentaa, Professor Boerne, Meryl Streep, Dr. Eddie „Fitz“ Fitzgerald, Walt Kowalski, den Ruhrpott-Humor, lesen, schreiben, rechnen, Föhr, Kaffee, Katzen … ... und ... und ... und ... mails an perlengazelle@web.de
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